The inescapable sonnets: Thomas Mann and Shakespeare

Research output: Contribution to journalArticle

Abstract

Thomas Mann empfand zeitlebens eine große Bewunderung für Shakespeare, die sich in der für seine literarische Arbeitsweise typischen Form der intertextuellen Bezugnahme auf die Werke des englischen Klassikers offenbart. Diese literarische Beziehung lässt sich anhand deutlicher Allusionen von den Anfängen bis ins Spätwerk verfolgen und kulminiert im Doktor Faustus. Innerhalb der Shakespeare-Anspielungen in diesem Roman nehmen Bezüge zu den Sonetten eine zentrale Rolle ein. Über Jahrzehnte hinweg zeigte sich Thomas Mann fasziniert von diesen Gedichten und setzte sich vielfach mit der in ihnen dargestellten Verbindung von hetero- und homosexueller Anziehung sowie der zentralen Thematik künstlerischer Verewigung auseinander. Diese beiden Themenkreise stehen auch hier im Vordergrund und bilden eine Folie für Aspekte der Beziehung zwischen Leverkühn und Rudi Schwerdtfeger, wobei Thomas Mann nicht nur Motive aus den Gedichten aufgriff, sondern ebenfalls auf die Entstehungssituation der Sonette und ihre vermutete autobiographische Dimension Bezug nahm: Leverkühn - seinerseits ein Selbstporträt seines Autors - nimmt so zugleich die Rolle einer Shakespeareschen Figur und die Position des englischen Dichters selbst ein. Darüber hinaus ist sich Thomas Manns Protagonist dieser literarischen Beziehungen in hohem Grade bewusst und gestaltet sie selbst entscheidend mit. Wie keine andere Mannsche Gestalt vor ihm greift Leverkühn als Hauptfigur in die Handlung ein, manipuliert und inszeniert das Romangeschehen anhand literarischer Vorlagen. Dadurch erhält Thomas Manns komplexe Verwendung von Intertextualität eine zusätzliche Dimension und nimmt in diesem späten Roman geradezu postmoderne Züge an.
Translated title of the contributionThe inescapable sonnets: Thomas Mann and Shakespeare
LanguageGerman
Pages181-188
Number of pages8
JournalOxford German Studies
Volume34
Issue number2
DOIs
Publication statusPublished - 2005

Fingerprint

Sonnet
Thomas Mann
William Shakespeare
Protagonist
Gestalt

Keywords

  • Thomas Mann
  • Shakespeare
  • potry
  • hetero attraction
  • homosexual attraction
  • Leverkühn
  • Rudi Schwerdtfeger

Cite this

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Die unvermeidlichen Sonette: Thomas Mann und Shakespeare. / Gremler, Claudia.

In: Oxford German Studies, Vol. 34, No. 2, 2005, p. 181-188.

Research output: Contribution to journalArticle

TY - JOUR

T1 - Die unvermeidlichen Sonette: Thomas Mann und Shakespeare

AU - Gremler, Claudia

PY - 2005

Y1 - 2005

N2 - Thomas Mann empfand zeitlebens eine große Bewunderung für Shakespeare, die sich in der für seine literarische Arbeitsweise typischen Form der intertextuellen Bezugnahme auf die Werke des englischen Klassikers offenbart. Diese literarische Beziehung lässt sich anhand deutlicher Allusionen von den Anfängen bis ins Spätwerk verfolgen und kulminiert im Doktor Faustus. Innerhalb der Shakespeare-Anspielungen in diesem Roman nehmen Bezüge zu den Sonetten eine zentrale Rolle ein. Über Jahrzehnte hinweg zeigte sich Thomas Mann fasziniert von diesen Gedichten und setzte sich vielfach mit der in ihnen dargestellten Verbindung von hetero- und homosexueller Anziehung sowie der zentralen Thematik künstlerischer Verewigung auseinander. Diese beiden Themenkreise stehen auch hier im Vordergrund und bilden eine Folie für Aspekte der Beziehung zwischen Leverkühn und Rudi Schwerdtfeger, wobei Thomas Mann nicht nur Motive aus den Gedichten aufgriff, sondern ebenfalls auf die Entstehungssituation der Sonette und ihre vermutete autobiographische Dimension Bezug nahm: Leverkühn - seinerseits ein Selbstporträt seines Autors - nimmt so zugleich die Rolle einer Shakespeareschen Figur und die Position des englischen Dichters selbst ein. Darüber hinaus ist sich Thomas Manns Protagonist dieser literarischen Beziehungen in hohem Grade bewusst und gestaltet sie selbst entscheidend mit. Wie keine andere Mannsche Gestalt vor ihm greift Leverkühn als Hauptfigur in die Handlung ein, manipuliert und inszeniert das Romangeschehen anhand literarischer Vorlagen. Dadurch erhält Thomas Manns komplexe Verwendung von Intertextualität eine zusätzliche Dimension und nimmt in diesem späten Roman geradezu postmoderne Züge an.

AB - Thomas Mann empfand zeitlebens eine große Bewunderung für Shakespeare, die sich in der für seine literarische Arbeitsweise typischen Form der intertextuellen Bezugnahme auf die Werke des englischen Klassikers offenbart. Diese literarische Beziehung lässt sich anhand deutlicher Allusionen von den Anfängen bis ins Spätwerk verfolgen und kulminiert im Doktor Faustus. Innerhalb der Shakespeare-Anspielungen in diesem Roman nehmen Bezüge zu den Sonetten eine zentrale Rolle ein. Über Jahrzehnte hinweg zeigte sich Thomas Mann fasziniert von diesen Gedichten und setzte sich vielfach mit der in ihnen dargestellten Verbindung von hetero- und homosexueller Anziehung sowie der zentralen Thematik künstlerischer Verewigung auseinander. Diese beiden Themenkreise stehen auch hier im Vordergrund und bilden eine Folie für Aspekte der Beziehung zwischen Leverkühn und Rudi Schwerdtfeger, wobei Thomas Mann nicht nur Motive aus den Gedichten aufgriff, sondern ebenfalls auf die Entstehungssituation der Sonette und ihre vermutete autobiographische Dimension Bezug nahm: Leverkühn - seinerseits ein Selbstporträt seines Autors - nimmt so zugleich die Rolle einer Shakespeareschen Figur und die Position des englischen Dichters selbst ein. Darüber hinaus ist sich Thomas Manns Protagonist dieser literarischen Beziehungen in hohem Grade bewusst und gestaltet sie selbst entscheidend mit. Wie keine andere Mannsche Gestalt vor ihm greift Leverkühn als Hauptfigur in die Handlung ein, manipuliert und inszeniert das Romangeschehen anhand literarischer Vorlagen. Dadurch erhält Thomas Manns komplexe Verwendung von Intertextualität eine zusätzliche Dimension und nimmt in diesem späten Roman geradezu postmoderne Züge an.

KW - Thomas Mann

KW - Shakespeare

KW - potry

KW - hetero attraction

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KW - Rudi Schwerdtfeger

UR - http://www.scopus.com/inward/record.url?scp=60950664312&partnerID=8YFLogxK

U2 - 10.1179/174592105x85067

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M3 - Article

VL - 34

SP - 181

EP - 188

JO - Oxford German Studies

T2 - Oxford German Studies

JF - Oxford German Studies

SN - 0078-7191

IS - 2

ER -